Ich betrete das Hotel, eine Kathedrale der Anonymität.
Während gesichtslose Gestalten an mir vorbeigleiten, brennt unter meiner Haut bereits ein dunkles Feuer. In dieser Fremdheit liegt die absolute Freiheit, jede Hemmung fallen zu lassen.
Der Aufzug verschluckt mich diskret. Ein kurzer Ruck, ein Ziehen im Unterleib, dann empfängt mich die lautlose Stille des Flurs. Er ist eine Galerie verschlossener Geheimnisse – bis auf eines.
Die Tür steht einen Spalt offen. Ein unmissverständliches Signal, ein feuchtes Versprechen.
Ich trete ein. Die Tür fällt mit einem leisen Klicken ins Schloss, das wie ein Keuchen klingt. Warmes Licht flutet über die Laken, während die Stille im Raum fast greifbar wird.
Und dann sehe ich dich.
Du sitzt da, vollkommen nackt, groß und steif. Souverän. Deine Haut schimmert, jede Kurve eine Provokation. Ohne jedes Zögern nimmst du mir mit deiner raubtierhaften Präsenz den Atem. Du weißt genau, wie dein Anblick meine Sinne peitscht – und genießt meine Gier.
Die Welt um uns erlischt. Zeit wird bedeutungslos, während das Pochen deines Blutes den Takt vorgibt. Wir beide kennen das Drehbuch. Die Frage ist nur: Wie lange hältst du meine Blicke noch aus, bevor du mich endlich einforderst?
Hör auf zu träumen. Ziehe mich zu dir und fang an, mich zu benutzen...
Likeneugierig-Berlin, Hydro, Christian-Steifen